Alarm an den Nebenwerte-Märkten!

Liebe Leser,

die Ukraine-Krise geht langsam aber sicher einer weiteren Eskalation entgegen. Sie sehen dort einen möglichen 3. Weltkrieg bzw. den Auslöser, meinen inzwischen schon einige Militärbeobachter. Einen derart großen Pessimismus möchte ich ungern pflegen. Dennoch sind die Auswirkungen der Situation auch an den Finanzmärkten schon deutlich sichtbar. Ich plädiere auf der einen Seite dafür, dass Sie im Zweifel vorsichtig bleiben sollten. Auf der anderen Seite jedoch eröffnen sich auch immer wieder neue Möglichkeiten, wie die Folgen der Ukraine-Krise gleichfalls verdeutlichen.

Die ersten Folgen der Ukraine-Krise

Die ersten Folgen beliefen sich gleich darauf, dass die Aktienkurse massiv nachgegeben haben. Die Notierungen fielen teilweise über alle Maßen. Der MDax gab in den vergangenen Tagen innerhalb einer Woche immerhin -4 % nach. Seit Jahresanfang ging es bereits um -10,4 % nach unten.

Der MDax ist auch im Nebenwerte-Segment in diesem Fall ein bedeutender Index. Sie werden in dem Barometer auf der einen Seite zwar zahlreiche Unternehmen finden, die eine sehr hohe Marktkapitalisierung im Milliarden-Bereich aufweisen. Auf der anderen Seite finden sich hier ungewöhnlich viele und auch bedeutende Familienunternehmen, deren Konstruktion ich als Teil der Nebenwerte begreifen würde.

In der aktuellen Krise, in der wir Inflationsrisiken sehen, Zinsdiskussionen und Sanktionen, die der Wirtschaft sicherlich auch schaden werden, ist der familiärere Index durchaus eine wichtige Bezugsgröße. Sie sehen, dass die Stimmung etwas gedrückt ist.

Bevor ich zu den Krisengewinnern übergehen möchte, sehen Sie sich die Situation im MDax daher derzeit etwas genauer an.

Allzeithoch weit entfernt

Eine wichtige Referenz ist aus meiner Perspektive auch das Allzeithoch im MDax. Dieser Top-Punkt wurde am 2. September 2021 erreicht – bei 36.275,62 Punkten. Die Top-Notierungen sind damit inzwischen mehr als 12 % entfernt. Die Stimmung scheint nachhaltig schlechter geworden zu sein.

Zudem habe ich ein anderes Problem entdeckt, das die deutlich sinkende Stimmung im Sektor beschreibt. Im MDax sind von aktuell 50 Unternehmen bezogen auf die vergangenen sechs Monate immerhin 37 Titel im Minus. Nur 13 Unternehmen haben gewonnen und ziehen den Index praktisch im Alleingang aus einer Krise, bei der es zu noch größeren Verlusten kommen könnte.

Deshalb ist die Situation nicht zu unterschätzen. Die Stimmung ist unter der unmittelbar sichtbaren Oberfläche mutmaßlich etwas ungünstiger, als viele Analysten oder auch Investoren glauben.

Dennoch gibt es Gewinner

Dennoch gibt es auch in der aktuellen Situation wie stets Gewinner. Der Hintergrund ist vor allem die Gas-Diskussion im Zusammenhang  mit der Sanktionierung Russlands. Die Politik hat in zahlreichen Staaten darauf bestanden, Russland gegenüber Sanktionen auszusprechen. Die betreffen zum einen den Zugang zu den Finanzmärkten, zum anderen aber auch das Gas als Energiequelle. Zumindest soll Nord Stream 2 nicht mehr weiter gebaut und genehmigt werden dürfen.

Generell soll die Abhängigkeit des Westens vom russischen Gas dem Vernehmen nach geringer werden. Dafür gibt es zwei Modelle, die auch für Sie interessant werden können.

  • Die Lieferengpässe, die entstehen, könnten durch Flüssiggas aufgefangen werden, hoffen Beobachter, Politiker und Analysten offenbar. Die Hoffnung gründet sich unter anderem darauf, dass die Gaslieferungen aus den USA kompensieren könnten. Die USA produzieren Flüssiggas, das in Europa dann wiederum nutzbar gemacht wird. Die vorhandenen Kapazitäten, um die Importe überhaupt aufzunehmen, sogenannte LPG-Terminals, gibt es allerdings noch gar nicht. Die Bundesregierung möchte, so Wirtschaftsminister Robert Habeck kürzlich, hier nachbessern. Bis auf Weiteres jedoch ist nicht unmittelbar mit einer Besserung zu rechnen, steht zu vermuten. Zum anderen allerdings haben die USA auch noch Lieferverträge mit China –  und werden ihre Exporte an Flüssiggas teils auch in diese Richtung lenken. Es entsteht mit hoher Sicherheit ein Markt, auf dem die Preise entsprechend steigen werden. Kurz: die Lösung ist kurzfristig nicht umsetzbar und langfristig zumindest nicht durchgehend tragfähig.
  • Die zweite Lösung ist politisch naheliegend: Die Politik möchte die alternativen Energien fördern. Hier meint die Regierung (bzw. meinen Regierungen) vor allem solche Energiequellen wie sauberen Wasserstoff. Ob, wann und in welchem Ausmaß diese Pläne umsetzbar sein werden, ist noch offen.

Dennoch ist die Stimmung in der Branche bestens. Die Kurse stiegen bei den Wasserstoff-Unternehmen am Montag teils im zweistelligen Bereich. Vor allem aber könnte der Trend auch langfristig interessant sein, lässt sich vermuten. Die Diskussion um russisches Gas und mögliche Alternativen wird nicht plötzlich enden.

Die Index-Betrachtung

Zunächst gibt es für den Bereich sogar ein ganzes Abbild. Verschiedene Anbieter haben Wertpapiere aufgelegt, für den sie einen Index benötigen. So gibt es den „E-Mobilität Wasserstoff Index“.

Sie sehen hier die Entwicklung des Index in den vergangenen Tagen: Die Kurse explodieren.

Wasserstoff Index: Die Kurse explodieren

Quelle: onvista.de

Das Tempo wird möglicherweise übertrieben sein, die Tendenz ist jedoch nicht unplausibel.

Sehen Sie sich nun das Index-Profil an – damit ist in etwa abzuschätzen, welche Unternehmen aus diesem Index bei einer entsprechenden Tendenz einen Aufwärtsimpuls erhalten sollten.

Die Top-Werte des Wasserstoff-E-Mobilitätsindex

UnternehmenISINBloomberg CodeLandWährungGewichtung
PLUG POWER INCUS72919P2020PLUG UR EquityUSUSD21,78%
ITM POWER PLCGB00B0130H42ITM LN EquityGBGBP20,58%
BALLARD POWER SYSTEMS INCCA0585861085BLDP CT EquityCACAD13,98%
NEL ASANO0010081235NEL NO EquityNONOK10,91%
SFC ENERGY AGDE0007568578F3C GY EquityDEEUR8,58%
POWERCELL SWEDEN ABSE0006425815PCELL SF EquitySESEK7,24%
AIR LIQUIDE SAFR0000120073AI FP EquityFREUR6,89%
LINDE PLCIE00BZ12WP82LIN GY EquityIEEUR6,80%
HEXAGON PURUS ASANO0010904923HPUR NO EquityNONOK3,24%

Die Unternehmen sind die Klassiker, die ohnehin schon bekannt sind. Plug Power aus den USA, ITM Power, Ballard Power oder auch Nel Asa haben denn auch am Montag nach dem erneut kriegerischen Wochenende massiv zugelegt.

Die Chancen steigen

Die Entwicklung lässt vermuten, dass die Chancen in diesem Sektor für Investoren deutlich steigen können. Die Unternehmen, die Sie oben in dieser Aufzählung sehen, werden keinesfalls in den kommenden Monaten, wahrscheinlich noch nicht einmal 2023 Gewinne erwirtschaften. Die Unternehmen sollen allen gängigen Analysen nach frühestens 2024 in der Lage sein, operativ in die Gewinnzone zu kommen.

Die Börsen werden sich aller Erfahrung nach an dieser Einschränkung jedoch nicht stören. Die Aussichten an den Aktienbörsen orientieren sich vielmehr an der Stimmung rund um die Unternehmen selbst.

Die Stimmung ist wie beschrieben gut. Die jüngsten Äußerungen aus praktisch allen westlichen Lagern heraus kann so gedeutet werden, dass die Wasserstoff-Branche profitiert.

So haben Sie bei der Suche nach Hot Stocks in diesem Sektor zumindest gute Aussichten auf Erfolg. Wie sich die Schwankungsanfälligkeit in den kommenden Wochen entwickelt, ist naturgemäß nicht abzusehen. Tendenziell aber erhalten die Unternehmen der Branche einen deutlichen Aufwind.

Plug Power: Die Nr. 1

Die Nummer eins in diesem Index ist mutmaßlich die US-Firma Plug Power. Die US-Amerikaner haben in den vergangenen Monaten relativ zu den anderen Unternehmen bereits eine deutlich stabilere Verfassung angedeutet. Dies ist nicht überraschend. Plug Power rechnet zu den Unternehmen, die bei größeren Aufträgen und ggf. auch Subventionen vorne stehen: Die USA wollen die Investitionen in die Infrastruktur mächtig vorantreiben.

Die Investitionen sind in den Monaten zuvor blockiert worden, da es innerhalb der Demokratischen Partei Blockaden gab. Dennoch ist der politische Wille insgesamt wahrscheinlich groß genug, um die Investitionen vorzunehmen. Das wiederum wird dazu führen, dass auch die Wasserstoff-Branche oder namentlich die US-Unternehmung Plug Power gute Chancen auf einen entsprechenden Beitrag haben werden.

Plug Power zeigt sich ohnehin wieder in recht guter Verfassung. Die Aktie selbst hat in den vergangenen Tagen und letztlich auch am Montag mit massiven Gewinnen die Hürde von 20 Euro deutlich überschritten. Die Kurse sind dabei zurück im charttechnisch grünen – oder zumindest gelben – Bereich. Es geht vor allem darum, dass die Notierungen die wichtige Unterstützung von 20 Euro überwunden haben. Dies gelang in einem Zug.

Nun konnte Plug Power damit sogar zwei weitere wichtige Signale erzeugen. Auf der einen Seite ist die Aktie damit wieder klar im kurzfristigen technischen Aufwärtstrend. Sie hat den GD38 überwunden, der als Trendindikator einen deutlichen Einfluss auf das Verhalten von Fonds haben dürfte. Der GD38 verläuft in Höhe von 19,35 Euro. Auf der anderen Seite fehlen derzeit nur noch etwa 20 %, um auch den GD100 als mittelfristigen Indikator wie auch den GD200 als langfristigen Trend-Indikator wieder zu überkreuzen.

Das bedeutet ganz konkret, dass die Aktie kurz davor steht, wieder in einen länger anhaltenden und großen Trend überzugehen. Damit ist sie deutlich weiter als die Konkurrenz.

Stark ist allerdings zuletzt auch wieder der norwegische Wert von Nel Asa gewesen. Nel Asa ist noch deutlicher als Plug Power und Co. nach unten gerutscht. Die Norweger haben ähnliche wirtschaftliche Aussichten in dem Sinn, dass es ihnen nicht so schnell gelingen wird, Gewinne zu erwirtschaften. Bedingt durch die jüngsten Diskussionen jedoch ist Nel Asa auf dem Weg nach oben.

Die Aktie hat etwa 20 % in den vergangenen Tagen zugelegt. Die Notierungen sind nun auf dem Weg, eine wichtige Hürde bei 1,50 Euro zu überwinden. Direkt bei 1,52 Euro wartet dann der GD100 als mittelfristiger Trend-Indikator. In Höhe von 1,57 Euro dann ist der GD200 als langfristiger Indikator in Reichweite. Wenn diese beiden Hürden auch noch überwunden werden, ist Nel Asa möglicherweise sogar schneller wieder im richtigen Flow als Plug Power.

Beide Unternehmen haben aber aus dem Bereich der Wasserstoff-Unternehmen angesichts der aktuellen Diskussionen um alternative Energiequelle plötzlich wieder einen deutlichen Trend-Impuls erhalten. Diesen gilt es in den kommenden Tagen zumindest zu beobachten – und möglicherweise auch noch zu nutzen.

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